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Kaufberatung: Weshalb guter Rat oftmals gar nicht so teuer ist

Canon EOS 70D Produktfoto - © Canon Inc.

Foto: Canon Deutschland/Produktfoto

Immer wieder werde ich von Freunden und Bekannten gefragt, welche Kamera ich zum Kauf empfehlen könne. Meist sind sie auf der Suche nach digitalen Spiegelreflexkameras, die zu einem guten Preis möglichst viel bieten sollen. Eine hohe Anzahl an Megapixeln, eine HD-Videofunktion, WiFi für die drahtlose Übertragung von Inhalten und GPS, um den Standort einer jeden Aufnahme exakt bestimmen zu können. Eine derartige Kaufberatung fällt mir immer alles andere als leicht, da es viele Dinge zu beachten gibt, wenn man sich eine Kamera kauft.

Zunächst sieht man sich mit der Frage konfrontiert, von welchem Hersteller die Kamera sein soll. Ein Großteil der potentiellen Kamerakäufer sieht sich hier mit der Frage Canon oder Nikon konfrontiert. Diese Entscheidung kann einem jedoch niemand abnehmen. Ich persönlich habe mich bei meiner ersten Spiegelreflexkamera über beide Hersteller informiert und schlussendlich für Canon entschieden. Ein damaliger Freund fotografierte ebenfalls mit Canon und unsere Foto-Clique auch, sodass ich einige Modelle des Herstellers in der Hand hatte und sehr gut damit zurecht kam. Aus heutiger Sicht würde ich mich vielleicht wieder so entscheiden, könnte mir jedoch auch vorstellen, eine Nikon zu kaufen. Dennoch ist die Wahl des Kameraherstellers sehr bedeutend, da Objektive mit dem entsprechenden Anschluss gekauft werden müssen und ein späterer Herstellerwechsel mit immensen Kosten verbunden ist.

Hat man sich erstmal für einen Kamerahersteller entschieden, muss man noch das für sich passende Kameramodell finden. Vollformat- oder APS-C-Sensor trennen hier nicht nur die Bildformate in verschiedene Lager sondern bestimmen auch maßgeblich die Preise der Kameragehäuse, des Zubehörs und der Objektive. Anfänger und Hobby-Fotografen tendieren meist zu den kostengünstigeren APS-C-Kameras, die mittlerweile auch mit beachtlichen Megapixel-Werten aufwarten können. Die Anzahl der Megapixel ist jedoch kein wirkliches Kriterium, da die Qualität des Bildsensors deutlich entscheidender ist als die Anzahl der Bildpunkte. Der „Megapixel-Wahn“ der vergangenen Jahre hat hier den potentiellen Käufern oftmals einen Bären aufgebunden, der sich bis heute tapfer in den Köpfen der Menschen gehalten hat. Fest steht: Für eine gute Kamera mit gutem Bildsensor und einer guten Abbildungsleistung muss man definitiv einiges an Geld in die Hand nehmen. Selbiges gilt auch für den Kauf von Objektiven.

Apropos Objektive: Oftmals sehe ich in der Innenstadt von Frankfurt Touristen mit hochwertigen Kameras, die mit verhältnismäßig günstigen Objektiven ausgerüstet sind. Hier stellt sich mir immer die Frage, weshalb jemand eine hochwertige Kamera mit einer derart schlechten Linse betreibt. Hier wird definitiv am falschen Ende gespart und wer einen leistungsstarken Kamerabody kauft, muss definitiv auch in hochwertige Objektive investieren. Wer nicht so viel Geld in die Hand nehmen möchte, sollte sich um ein solides Kameragehäuse bemühen und ein qualitativ gutes Objektiv kaufen. Der Flaschenhals ist letztendlich immer das Objektiv. Denn die Kamera kann nur das an Abbildungsleistung bringen, was durch das Objektiv auf den Bildsensor gelangt.

Bei der Wahl des Kameramodells spielen verschiedenste Faktoren eine Rolle. Idealerweise überlegt man sich im Voraus, was man gerne fotografieren möchte und worauf man besonderen Wert legt. Hilfreich ist es auch, das bisherige Fotoverhalten (zum Beispiel mit der Digitalkamera) eingehend zu analysieren, um festzustellen, für welche Einsätze die Spiegelreflexkamera besonders sinnvoll erscheint. In meinem Fall ist es mir besonders wichtig, dass die Kamera eine hohe Geschwindigkeit und größere Serienbildfolgen zulässt, um auch bei schnellen Sportarten immer auf der Höhe des Geschehens zu sein. Für jemanden, der eher auf Reisen oder Landschaften fotografiert, dürfte eine derart hohe Geschwindigkeit eher zweitrangig sein. Hier wäre eine hohe Abbildungsleistung dem Faktor Geschwindigkeit deutlich vorzuziehen. Dies gilt auch für ein ausgewogenes Verhältnis von Sensorgröße und Anzahl der Megapixel, um unter Umständen den Bildausschnitt auch im Nachhinein anpassen zu können.

Auch wenn das Internet mit günstigen Preisen, ausführlichen Kundenrezensionen und einer Lieferung direkt nach Hause lockt, sollte man dennoch den Weg ins Fotofachgeschäft antreten. Auch große Elektronikhändler sind meist keine gute Anlaufstelle, um sich wirklich umfassend über Kamerahersteller und deren Modelle zu informieren. Beim Fotofachgeschäft zahlt man selbstverständlich etwas mehr, bekommt aber eine dementsprechende Beratung und hat einen direkten Ansprechpartner bei etwaigen Fragen oder Problemen, die nach dem Kauf auftreten können. Darüber hinaus hat man im Fachgeschäft auch die Möglichkeit, verschiedene Objektive auszuprobieren und die Kamera auf Herz und Nieren zu testen. Ich persönlich mache immer gerne von dem Angebot Gebrauch, die Kamera vor dem Geschäft auf der Straße zu testen. Bei Tageslicht und einer belebten Einkaufsstraße hat man vielfältige Möglichkeiten, das potentielle Objekt der Begierde einmal richtig auszuprobieren. Es kann definitiv nicht schaden, dem geschulten Verkäufer auch das persönliche Anwendungsprofil zu schildern. Auch die Nennung des Budgets erweist sich oftmals als sehr hilfreich, da der Verkäufer dies auch bei der Kombination aus Kameragehäuse, Objektiv(en) und möglichem Zubehör berücksichtigen kann.

Auch wenn es viele Leute tun, hier nochmals der Appell an alle Besucher von Fachgeschäften: Bitte nicht im Laden ausgiebig ausprobieren und beraten lassen, um dann für ein paar Euro weniger bequem zuhause vom Sofa aus per Internet zu bestellen. Beim nächsten Problem mit der Kamera, und sei es nur die manuelle Reinigung des Sensors, wird man froh sein, einen realen Ansprechpartner zur Hand zu haben, um die Kamera zeitnah und kostengünstig wieder in Schuss bringen zu lassen.